Unfallstatistik

Die folgenden Daten wurden dem SINUS-Report 2017 der bfu entnommen, der das jährliche Monitoring der Strassenverkehrsunfälle in der Schweiz beschreibt. Dort finden sich zahlreiche Detailinformationen, so z. B. Unfallzahlen nach Verkehrsmittel oder Altersgruppe.

Strassenverkehr allgemein

Bei total 4001 schweren Personenschäden (Schwerverletzte und Getötete) im Strassenverkehr im Jahr 2016 resultierte bei den Getöteten im Vergleich zum Vorjahr eine Reduktion um 15%.Der positive Trend der Vorjahre setzte sich somit fort, was auch durch die Abnahme bei der Anzahl Schwerverletzter um 1 % (-45) bestätigt wird. Die Letalität (Sterberisiko bei einem Unfall) ist bei Fussgängern am höchsten, das Risiko pro gefahrenen Kilometer ist bei den Motorradfahrenden deutlich erhöht. Auffallend ist wiederum die Zunahme des Unfallgeschehens der E-Bikenden: Gegenüber dem Jahr 2015 gab es 2016 18 % mehr schwere Personenschäden.

Pro 100 000 Einwohner sind nach wie vor junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren am stärksten von schweren Unfällen betroffen, obwohl sich ihr Unfallgeschehen in den letzten Jahren überdurchschnittlich reduziert hat. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist markant: Doppelt so viele Männer wie Frauen werden schwer verletzt. Bei den Getöteten sind es sogar 3-mal so viele. Die Letalität ist bei Senioren deutlich erhöht.

Während Unfälle mit Schwerverletzten mehrheitlich innerorts geschehen, ereignen sich tödliche Unfälle zum grössten Teil ausserorts. 7 von 10 schweren Unfällen ereignen sich tagsüber, sowohl an Werktagen wie auch an Wochenenden. Hingegen sind nächtliche Unfälle, insbesondere in den Wochenend-Nächten, besonders folgenschwer. Seit Jahren bleiben die Hauptursachen von schweren Strassenverkehrsunfällen unverändert. Der Grossteil der Unfälle lässt sich auf Verhaltensfehler zurückführen. Von allen Unfallursachen fordern «Unaufmerksamkeit und Ablenkung» gefolgt von «Geschwindigkeit» die meisten Todesfälle.

Im Folgenden werden die wichtigsten statistischen Aussagen zu denjenigen Altersgruppen dargestellt, die in gewissen Bereichen des Unfallgeschehens besonders auffallen.

Kinder und Jugendliche

2016 wurden 12 Kinder im Verkehr getötet, 3 in Personenwagen, 3 mit dem Fahrrad und 6 als Fussgänger.

Die schweren Unfälle von Kindern im Alter von 0 bis 14 Jahren nahmen von 2006 auf 2016 um 40 % ab. Eine Abnahme kann in allen Verkehrsteilnehmergruppen festgestellt werden. Beim näheren Betrachten der Unfallentwicklung über die letzten 10 Jahre sticht der tragische Carunfall in Siders VS von 2012 ins Auge (Kategorie «Andere (inkl. E-Bike)»), bei dem 22 Kinder ums Leben kamen. Am wenigsten reduzierte sich das schwere Unfallgeschehen bei zu Fuss gehenden Kindern (–19 %).

193 Kinder trugen im Jahr 2016 schwere Verletzungen davon. Fast 60 % der schwer verletzten Kinder waren als Fussgänger und ungefähr ¼ war mit dem Fahrrad unterwegs. Ab dem Alter von 6 bzw. 13 Jahren nimmt die Bedeutung der Unfälle mit dem Fahrrad bzw. dem Mofa zu. Von den schwer verunfallten 14-Jährigen waren 34 % mit dem Mofa und 31 % mit dem Fahrrad unterwegs.

Die Fahrradunfälle ereigneten sich am häufigsten (60 %) in der Freizeit, die Fussgängerunfälle ungefähr je zur Hälfte in der Freizeit und auf dem Schulweg.

Die meisten schweren Kollisionen mit Kindern auf dem Fahrrad wurden durch das Kind selbst verursacht: Bei 58 % der Kollisionen war das Kind der alleinige Verursacher, in weiteren 8 % der Hauptverursacher. Der Kollisionsgegner war nur in 1/5 der Fälle der alleinige Verursacher. Bei Kindern, die als Fussgänger bei einer Kollision schwer verletzt oder getötet wurden, war das Kind in 42 %, der Kollisionsgegner in rund 1/3 der Fälle alleiniger Verursacher.

Der Geschlechtervergleich zeigt, dass schwere Personenschäden deutlich häufiger bei Knaben als bei Mädchen registriert werden. Das zieht sich durch alle Alterskategorien bis 14 Jahre hindurch und ist bei den 5- bis 9-Jährigen am stärksten ausgeprägt: Dort ist die Zahl der schweren Unfälle von Knaben praktisch doppelt so hoch wie jene der Mädchen.

Junge Erwachsene

Schwere PW- und Motorradunfälle von jungen Erwachsenen (18–24 Jahre) sind zwar zwischen 2006 und 2016 deutlich zurückgegangen, fordern aber immer noch etwa 2/3 der Schwerverletzten und sogar 3/4 der Getöteten in dieser Altersgruppe. Mehr als die Hälfte der tödlich verletzten 18- bis 24-Jährigen verunfallt in Personenwagen. Die schweren Personenschäden durch Fussgänger- und Fahrradunfälle blieben mit je 50–80 pro Jahr über die letzte Dekade relativ stabil. In den vergangenen 5 Jahren ging jeder 4. Schwerverletzte und jeder 8. Getötete der jungen Erwachsenen auf das Konto von Fussgänger- und Fahrradunfällen.  

Die höchste Letalität in dieser Altersgruppe weisen Motorradfahrer auf. Mit 152 Getöteten auf 10 000 Verletzte ist dieser Wert sogar höher als derjenige bei Fussgängerunfällen (135). 

Im Vergleich zu PW-Lenkern im Alter von 25 bis 64 Jahren sind die 18- bis 24-Jährigen anderthalbmal so häufig alleinige Verursacher von schweren Unfällen. Bei 2/3 der schweren Kollisionen mit Beteiligung von jungen Erwachsenen sind diese alleiniger Verursacher. Anders sieht das Bild bei den Motorradfahrern aus: Hier sind beide Altersgruppen fast gleich oft Unfallverursacher, grösstenteils verursacht jedoch der Kollisionsgegner den Unfall. 

Erhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit sowie Unaufmerksamkeit und Ablenkung kommen bei jungen Erwachsenen verhältnismässig häufiger vor als bei den 25- bis 64-Jährigen. Bei der Ursache Alkohol und Vortrittsmissachtung ist der Unterschied zwischen den Altersgruppen hingegen weniger ausgeprägt. 

Junge Erwachsene sind Hauptverursacher von rund jedem 12. schweren Unfall. Sie verursachen verhältnismässig häufig schwere Unfälle bei Dämmerung und Dunkelheit – insbesondere an Wochenenden – und auf der Autobahn. Männer in dieser Altersgruppe haben wesentlich mehr Unfälle als Frauen, der Männeranteil ist insbesondere bei Schleuder- und Selbstunfällen deutlich höher.

Senioren

Bei den Senioren (ab 65 Jahren) haben die schweren Unfälle in der letzten Dekade um 20 % zugenommen. 2016 wurden im Strassenverkehr 757 über 64-Jährige schwer verletzt und 68 getötet.

Am stärksten nahm die Anzahl schwerer Unfälle in der Kategorie «Andere (inkl. E-Bikes)» zu (+180 %). Der Anstieg ist primär auf die gesteigerte Nutzung von E-Bikes zurückzuführen: Im Jahr 2010 (erstes Erfassungsjahr dieser Fahrzeugkategorie in einigen Kantonen) waren bei dieser Verkehrsteilnahme noch 8, im Jahr 2016 bereits 61 schwer verletzte und getötete Senioren zu verzeichnen.

Während die schweren Unfälle der Senioren sowohl in Personenwagen (+11 %) wie auch auf dem Fahrrad (+38 %) und dem Motorrad (+53 %) zugenommen haben, zeigt sich bei den Fussgängern keine klare Tendenz. In den vergangenen 10 Jahren pendelte die Anzahl schwerer Unfälle um den Wert 250.

Im Durchschnitt der letzten 5 Jahre wurden Senioren am häufigsten als Fussgänger schwer verletzt oder getötet: Der Anteil liegt bei den Schwerverletzten bei 30 % und bei den Getöteten gar bei 40 %. Die schweren Fussgängerunfälle von Senioren sind aber selten selbst verursacht. Die häufigsten Hauptursachen bei den Kollisionsgegnern sind «Missachten des Vortrittsrechts am Fussgängerstreifen» und «Unvorsichtiges Rückwärtsfahren».

Als PW-Lenker sind Senioren bei 7 von 10 schweren Kollisionen alleinige Verursacher, im Vergleich zu den 25- bis 64-Jährigen fast doppelt so oft. Senioren sind (Mit)verursacher jedes 10. schweren Unfalls, sowohl auf Autobahnen wie auch auf Inner- und Ausserortsstrassen. Verhältnismässig häufig sind sie Hauptverursacher von Kollisionen oder von Unfällen bei Tageslicht an Werktagen. Hingegen verursachen sie weniger oft schwere Unfälle bei Dämmerung und Dunkelheit, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass sie seltener bei Nacht mit dem Fahrzeug unterwegs sind.

Geschwindigkeit, Unaufmerksamkeit und Vortrittsmissachtung kommen bei Senioren, verglichen mit den 25- und 64-jährigen Lenkern, ähnlich oft als Ursache von schweren Unfällen vor. Alkohol ist bei den Senioren anteilsmässig seltener eine Unfallursache.